Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du


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Paulo Coelho

Der Wanderer

Paulo Coelho

Der Wanderer

Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du

solches den Weisen und Klugen

verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast.

Lukas, 10:21

Niederlagen und Erfahrungen

Der Meister sagt:

»Wenn wir ahnen, daß die Zeit für eine Veränderung gekommen ist, beginnen wir unbewußt, all unsere Niederlagen bis zu diesem Augenblick wie auf einem Video vor unserem inneren Auge an uns vorbeiziehen zu lassen.

Je älter wir werden, desto größer wird natürlich die Anzahl der Niederlagen. Doch mit ihnen ist auch unsere Erfahrung darin gewachsen, wie diese Niederlagen zu überwinden sind und wie man einen Weg finden kann, der uns weiterführt. Auch dieses Band sollten wir in unseren geistigen Videorecorder einlegen.

Sehen wir nur das Video mit den Niederlagen an, lahmt uns das.

Sehen wir uns nur das Video mit unseren Erfahrungen an, glauben wir am Ende, daß wir weiser sind, als es tatsächlich der Fall ist.

Wir brauchen beide Videos.«
Vom Umgang mit Versuchungen

Ein Fremder suchte den Abt des Klosters Sceta auf.

»Ich möchte ein gottgefälligeres Leben führen«, sagte er. »Aber ich kann nicht aufhören, sündigen Gedanken nachzuhängen.«

Der Abt bemerkte, daß draußen ein kühles Lüftchen wehte, und sagte zum Fremden:

»Hier drinnen ist es so heiß, könnten Sie nicht hinausgehen und etwas kühlen Wind hereinholen?«

»Das ist unmöglich«, sagte der Fremde.

»Genauso unmöglich wie aufzuhören, Gedanken zu haben, die Gott beleidigen könnten«, antwortete der sich bringt, so trägt er auch dessen Lösung in sich.

Wenn die Wahrsager tatsächlich die Zukunft voraussehen könnten, wären alle Wahrsager reich, verheiratet und glücklich.«
Eigenverantwortung

Der Schüler näherte sich dem Meister: »Seit Jahren suche ich die Erleuchtung«, sagte er. »Ich fühle, daß sie nicht mehr weit ist. Ich möchte wissen, welchen Schritt ich als nächsten tun soll.«

»Und wie erwirbst du deinen Lebensunterhalt?« fragte der Meister.

»Noch habe ich nicht gelernt, mich selbst zu ernähren. Mein Vater und meine Mutter unterstützen mich. Aber das tut doch hier nichts zur Sache.«

»Der nächste Schritt besteht darin, daß du eine halbe Minute lang in die Sonne blickst«, sagte der Meister. Der Schüler gehorchte. Als die Zeit um war, bat der Meister den Schüler, er möge ihm das Feld um sich herum beschreiben.

»Ich kann es nicht sehen, die Helligkeit der Sonne hat meinen Blick getrübt«, antwortete der Schüler.

»Ein Mensch, der nur das Licht sucht und die Verantwortung für sich selbst anderen überläßt, wird die Erleuchtung nicht finden. Ein Mensch, der in die Sonne starrt, wird am Ende blind«, sagte darauf der Meister.
Macht Glauben unfrei?

Auf seiner Wanderung durch ein Tal in den Pyrenäen traf ein Mann auf einen alten Hirten. Er teilte sein Essen mit ihm, und sie saßen lange beieinander und sprachen über das Leben.

»Wenn ich an Gott glauben würde«, sagte der Wanderer, »hieße das für mich auch, daß ich mich damit abfinde, unfrei zu sein, denn dann würde Gott einen jeden meiner Schritte bestimmen.«

Da führte ihn der Hirt an eine Schlucht, deren Wände jedes Geräusch klar und deutlich als Echo zurückwarfen.

»Das Leben sind diese Wände, und das Schicksal ist der Schrei jedes einzelnen von uns«, sagte der Hirt. »Das, was wir tun, wird zu seinem Herzen aufsteigen und unverändert zu uns zurückkehren. Gottes Handeln ist das Echo unserer Taten.«
Von müßigen Gedanken

Der Schüler sagte zum Meister:

»Ich habe den größten Teil des Tages damit verbracht, über Dinge nachzudenken, über die ich nicht nachdenken sollte, mir Dinge zu wünschen, die ich mir nicht wünschen sollte, Pläne zu schmieden, die ich nicht schmieden sollte.«

Der Meister lud den Schüler ein, ihn auf einen Spaziergang im Wald hinter seinem Haus zu begleiten. Er zeigte auf eine Pflanze am Wegrand und fragte den Schüler, was für eine Pflanze das sei.

»Belladonna«, sagte der Schüler. »Sie tötet jeden, der ihre Blätter ißt.«

»Aber sie kann niemanden töten, der sie einfach nur ansieht«, sagte der Meister. »Ebensowenig können verwerfliche Wünsche dem etwas anhaben, der sich nicht von ihnen verführen läßt.«
Kein Feuer ohne Rauch oder Vom Wert der Eigenerfahrung

Eines Nachts setzte sich der Meister mit seinen Schülern zusammen und bat sie, ein Feuer anzuzünden.

»Der spirituelle Weg gleicht dem Feuer, das vor uns brennt«, sagte er.

»Der Mensch, der es anfachen will, muß den anfänglichen Rauch in Kauf nehmen, der einem das Atmen erschwert und Tränen m die Augen treibt.

Brennt das Feuer jedoch einmal, verschwindet der Rauch, und die Flammen erleuchten alles ringsum, schenken uns Behaglichkeit und Frieden.«

»Aber es könnte doch jemand anderes das Feuer für uns anfachen«, meinte einer der Schüler. »Und jemand uns zeigen, wie man es anstellt, daß kein Rauch entsteht.«

»Tut er dies, ist er ein falscher Meister. Er kann das Feuer hintragen, wohin er will, oder es löschen, wann er will. Da er aber niemanden gelehrt hat, wie es angezündet wird, kann es gut sein, daß alle im Dunkeln bleiben.«
Das Tor durch die Unmöglichkeit

»Wenn du dich auf deinen Weg machst, wirst du an eine Tür kommen, an der ein Satz geschrieben steht«, sagt der Meister.

»Komm zu mir zurück und sage mir, wie dieser Satz lautet.«

Eifrig macht sich der Schüler auf die Suche.

Eines Tages sieht er die Tür und kehrt zum Meister zurück.

»Am Anfang des Weges stand geschrieben: Es ist unmöglich«, berichtet er.

»Wo stand das?« fragt der Meister. »An einer Wand oder an einer Tür?«

»An einer Tür«, antwortet der Schüler.

»Nun, dann packe die Türklinke und öffne die Tür.«

Der Schüler gehorcht. Da der Satz an der Tür steht, bewegt er sich mit ihr. Als die Tür ganz offen ist, kann er den Satz nicht mehr sehen   und setzt seinen Weg fort.
Der erste Schritt auf dem spirituellen Weg

Ein Mann beschloß, einen Eremiten aufzusuchen, der in der Nähe des Klosters Sceta lebte. Nachdem er lange durch die Wüste gewandert war, traf er schließlich auf den Mönch.

»Ich will wissen, welches der erste Schritt ins spirituelle Leben sein muß«, sagte er.

Der Eremit führte ihn an einen kleinen Brunnen und bat ihn, sein Spiegelbild im Wasser zu betrachten. Der Mann gehorchte, doch der Eremit warf kleine Steine ins Wasser, worauf sich die Wasseroberfläche bewegte.

»Ich kann mein Gesicht nicht deutlich sehen, wenn Ihr Steine ins Wasser werft«, sagte der Mann.

»Ebensowenig wie es einem Menschen möglich ist, sein Gesicht im aufgewühlten Wasser zu sehen, kann er Gott suchen, wenn sein Geist einzig und allein auf die Suche fixiert ist«, sagte der Mönch. »Dies ist der erste Schritt.«
Vom Daumenlutschen und von anderen Lastern

Ein 32jähriger Patient suchte den Therapeuten Richard Crowley auf:

»Ich kann einfach nicht mit dem Daumenlutschen aufhören«, sagte er.

»Machen Sie sich darüber keine Sorgen«, beruhigte ihn Crowley.

»Lutschen Sie einfach jeden Tag an einem anderen Finger.«

Von da an mußte sich der Patient jedesmal, wenn er die Hand zum Mund führte, bewußt für einen Finger entscheiden, der an diesem Tag dran sein sollte. Die Woche war noch nicht um, da war er geheilt.

»Wenn ein Laster zur Gewohnheit wird, ist es schwierig, mit ihm umzugehen«, meinte Richard Crowley. »Doch wenn es von uns eine neue Haltung, neue Entscheidungen, eine Wahl verlangt, wird uns bewußt, daß es diese Anstrengung nicht wert ist.«
Das Ende der Angst

Zwei Rabbiner lassen nichts unversucht, um den Juden in Nazi Deutschland geistlichen Beistand zu geben. Zwei Jahre lang leben sie in ständiger Angst, gefaßt zu werden, und zwei Jahre gelingt es ihnen, ihren Verfolgern zu entkommen und in verschiedenen Gemeinden Gottesdienste abzuhalten.

Am Ende werden sie doch gefangengenommen. Der erste Rabbiner betet in einem fort, aus Angst vor dem, was ihm bevorsteht. Der zweite schläft den ganzen Tag.

»Warum schläfst du?« fragt der ängstliche Rabbiner.

»Um bei Kräften zu bleiben. Ich weiß, daß ich sie noch brauchen werde«, sagt der andere.

»Aber hast du denn keine Angst? Wer weiß, was sie mit uns vorhaben.«

»Ich hatte Angst bis zu dem Augenblick, in dem wir gefangengenommen wurden. Die Zeit der Angst ist zu Ende; jetzt beginnt die Zeit der Hoffnung.«
Vom Christus  und vom Zirkuskind

Unsere Heilige Muttergottes stieg einst mit dem Jesuskind im Arm zur Erde nieder, um ein Kloster zu besuchen.

Die Mönche standen freudig aufgereiht da, um ihr ihre Ehrbezeugungen entgegenzubringen. Einer rezitierte Gedichte, ein anderer zeigte Buchmalereien, ein weiterer sagte die Namen der Heiligen auf.

Am Ende der Reihe stand ein einfacher Pater, der nicht das Glück hatte, bei den Weisen seiner Zeit gelernt zu haben. Seine Eltern waren Zirkusartisten gewesen. Als er an die Reihe kam, wollten die Mönche ihre Ehrbezeugungen abbrechen, weil sie befürchteten, er könnte ihr Kloster blamieren.

Doch er ließ sich nicht beirren und huldigte der Heiligen Jungfrau auf seine Weise. Unter den tadelnden Blicken der Brüder zog er schüchtern einige Orangen aus der Tasche und begann mit ihnen zu jonglieren, wie es ihn seine Eltern im Zirkus gelehrt hatten.

Erst da lächelte das Jesuskind und klatschte vor Freude in die Händchen. Und nur ihm streckte die Heilige Jungfrau die Hände entgegen, und nur er durfte ihren Sohn eine Weile auf dem Arm halten.
Überrasche dich selbst!

Versuche nicht immer vernünftig und konsequent zu sein. Schließlich hat Paulus schon gesagt: Dieser Welt Weisheit ist Torheit vor Gott.

Immer vernünftig zu sein bedeutet, stets eine zu den Socken passende Krawatte zu tragen. Es bedeutet, morgen die Meinung von gestern zu vertreten. Und die Erde   bewegt sie sich etwa nicht?

Sei ruhig inkonsequent, ändere deine Meinung, es steht dir zu, du brauchst dich dafür nicht zu schämen, solange niemand dadurch zu Schaden kommt. Was die anderen denken könnten, ist gleichgültig, sie denken sich ohnehin, was sie wollen. Bleib gelassen. Laß das Universum um dich kreisen, genieße es, über dich selbst überrascht zu sein. Welcher sich dünkt, weise zu sein, der werde ein Narr, sagt Paulus.
Aus der Reihe tanzen

Der Meister sagt:

»Heute wäre ein guter Tag, um etwas Außergewöhnliches zu tun.

Zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße tanzen. Einem oder einer Unbekannten in die Augen schauen und von Liebe auf den ersten Blick sprechen. Dem Chef gegenüber eine Idee vorbringen, mit der wir uns vielleicht lächerlich machen, an die wir jedoch glauben.

Ein Instrument kaufen, das wir schon immer spielen wollten, aber nicht wagten.

Die Krieger des Lichts gestehen sich solche Tage zu.

Wir können den Tag auch dazu benutzen, um alte Wunden zu lecken, die immer noch weh tun. Wir können jemanden anrufen, den nie wieder anzurufen wir uns geschworen haben (obwohl wir uns über eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter riesig gefreut hätten).

Heute könnte ein Tag sein, der nicht ins Pensum paßt, das wir jeden Morgen aufsetzen. Heute ist jeder Fehler erlaubt und verziehen.

Heute ist ein Tag der Lebensfreude.«
Von mutigen Schritten oder Von ganzen und halben Sachen

Der heilige Antonius lebte in der Wüste, als ein Jüngling zu ihm trat.

»Vater, ich habe alles, was ich besaß, verkauft und den Armen gegeben. Nur ein paar Dinge habe ich behalten, die mir helfen sollen, hier zu überleben. Ich bitte Euch, mir den Weg zur Erlösung zu zeigen.«

Der heilige Antonius bat den Jüngling, die wenigen Dinge, die er behalten hatte, ebenfalls zu verkaufen und mit dem Geld in der Stadt Fleisch zu erstehen. Auf dem Rückweg solle er das Fleisch an seinem Körper festbinden.

Der Jüngling gehorchte. Auf dem Rückweg wurde er von Hunden und Falken angefallen, die sich jeder ein Stück von dem Fleisch schnappen wollten.

»Hier bin ich wieder«, sagte der Jüngling und wies auf seinen zerkratzten Körper und die zerfetzten Kleider.

»Wer einen neuen Schritt tut und noch ein bißchen vom alten Leben beibehalten will, wird am Ende von der eigenen Vergangenheit zerfetzt«, war der Kommentar des Heiligen.
Die Segnungen des Tages

Der Meister sagt:

»Lebe alle die Segnungen, die Gott dir heute gegeben hat.

Segnungen können nicht angespart werden. Es gibt keine Bank, in die wir die erhaltenen Segnungen einzahlen können, um sie nach unserem Willen aufzubrauchen. Wenn wir diese Segnungen nicht nutzen, werden wir sie unwiederbringlich verlieren.

Gott weiß, daß wir Künstler sind, die das Leben formen. An einem Tag gibt er uns Ton, um daraus Figuren zu schaffen, an einem anderen Tag Pinsel und Leinwand oder eine Feder zum Schreiben. Doch wir werden nie Ton auf Leinwand oder Federn für Skulpturen benutzen können. Jeder Tag birgt sein eigenes Wunder. Nimm die Segnungen an, arbeite und schaffe heute daraus dein Kunstwerk. Morgen wirst du mehr erhalten.«
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